Schicksalstag 19. Mai 2010
Ein Pfarrer war in Bangkok Augenzeuge
Liebe Freunde,
diesen Bericht schickte ich eben an Auslandsbischof Schindehütte und die EKD in Hannover, meinen Arbeitgeber.
Seit einer Stunde ist es hier um unser Haus wieder ruhiger. Aber die Nacht ist lang. Wir fühlen uns hier bei uns aber sicher. Als heute hier in der Straße bei uns geschossen wurde (wahrscheinlich auf eine Filiale der Bangkok-Bank), waren wir in Gedanken natürlich auch wieder in Ruanda am 6. April 1994. Und wir merken, wie alle Erinnerungen noch voll da sind.
Das hätte jetzt nicht noch so kommen müssen kurz vor unserem Abschied hier.
Aber für mich kam es nicht überraschend. Ich habe in den letzten Wochen mit vielen Oppositionellen gesprochen. Und ich sprach auch von einem revolutionären Geist, der hier zum Ausdruck kommt. Auch die Thaigesellschaft hat sich darauf eingerichtet, dass es immer so weitergehen wird mit den Reichen, die immer reicher werden und den vielen "ungebildeten Ochsen" im Nordosten (Isaan), die nie auf einen grünen Zweig kommen, und die so dumm bleiben sollen wie sie sind. Der jetzige Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva konnte in seinen 1 ½ Jahren Amtszeit nicht ein Mal in den Isaan reisen. Er würde mit Steinen beworfen werden, weil er dort nur als Marionette der reichen Oberschicht Bangkoks angesehen wird. Jetzt brennt es im ganzen Land, und wir wissen nicht, was morgen sein wird.
Seid alle ganz herzlich gegrüßt
Eure Burkhard und Isolde

Lieber Herr Schindehütte, lieber Herr Oppenheim,
der Konflikt weitet sich aus. Die Redshirt-Leader haben vor ca. zwei Stunden ihre Demonstration für beendet erklärt. Einige Führer wurden festgenommen, andere sind geflohen und verstecken sich, Seh Daeng ist erschossen worden, Veera spricht mit Regierungsvertretern. Die Demonstranten und der Mob verteilen sich über die ganze Stadt. Wir sehen von unserem Balkon aus an mehreren Stellen dunklen Rauch aufsteigen. In der Thonglor bei uns um die Ecke steht ein Gebäude in Flammen. Im Moment wird auch auf unserer Pridi Phanomyong-Strasse scharf geschossen. ...
Redshirts im ganzen Land zeigen nun ihre Solidarität und zünden Gebäude an. Drei Stadtverwaltungen stehen in Brand. Unruhen werden gemeldet aus Chiang Mai, Udon Thani, Ubon Ratchathani, Samut Prakan, Mugdahan, Roi Ed und anderen Orten.
Hier in Bangkok wurde eine Brandbombe in die Börse geworfen, eine andere ins Einkaufszentrum Central World direkt angrenzend ans Ratchadaprasong-Demonstrationszentrum. Militär und die Feuerwehr können nicht überall eingreifen. Über der Stadt und auch hier über uns kreisen Hubschrauber. Morgen und am Freitag bleibt die Börse geschlossen.
Wir wissen nun nicht, was dies alles bedeutet und was noch folgen wird. Ich sprach nie von Bürgerkrieg, aber wie soll man das nun bezeichnen, wenn Thailänder Thailänder erschießen, Geschäfte anzünden und plündern und wie Vandalen durch die Stadt ziehen? Wer hätte sich das noch vor vier Wochen vorgestellt?
Die Regierung hat in den letzten Wochen im Umgang mit den Demonstranten vollkommen versagt. Auch alle Angebote von ausländischen Vermittlern, auch von der UN, wurden abgelehnt. Eine Annahme einer Vermittlung hätte nur noch mehr die Schwäche der Regierung offenbart. Die Gesetzgeber sind die ersten, die die Gesetze brechen. Die Kämpfer gegen die Korruption sind korrupt bis auf die Knochen.
Und auch die Führer der Redshirts haben ein böses Spiel getrieben. Sie zeigten nach außen, dass sie friedliche Demonstranten wären und sie zeigten in alle Richtungen ihre Schilder mit der Aufschrift "Non-violent". Aber sie manipulierten und verführten ihre Anhänger und ließen es zu, dass sich viele bewaffneten. Und sie duldeten auch diejenigen in ihren Reihen, die nichts als Konfrontation und Gewalt im Sinn hatten und nun viel Zeit hatten, sich auf diese Stunde der nackten Gewalt vorzubereiten. Ihre Sprache war die Sprache der Gewalt. Sie missbrauchten Menschen und auch kleine Kinder als Geiseln und zuletzt als menschliche Schutzschilde. Ich war mehrfach an der Rednerbühne und habe das alles gesehen und auch fotografiert.
Der Deutsche Botschafter war in Deutschland im Urlaub. Die Botschaft hat keinen Krisenstab eingerichtet und uns wochenlang nicht unterrichtet. Erst seit zwei Tagen erhalten wir nun kurze eMails mit einer Situationseinschätzung. Eben wurden wir auch darüber unterrichtet, dass es ab heute 20.00 Uhr Ortszeit eine Sperrstunde gibt. Alle wurden gebeten, ab jetzt zu Hause zu bleiben. Wir sind aber nun tatsächlich nicht mehr ganz sicher, ob zuhause auch "in Sicherheit" bedeutet. ...
Unser Thai-Nachbar rief uns gerade an und entschuldigte sich dafür, dass so etwas in diesem Land stattfindet. Er würde sich für die Thailänder schämen. ...
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Burkhard Bartel
Evangelische Gemeinde deutscher Sprache in Thailand
Wohin steuert Thailand jetzt?
Vor wenigen Tagen, am Ende der Besetzung der Ratchaprasong Intersection durch Anhänger der UDD, erhielt ich von einer Freundin in Bangkok eine E-mail, die mich emotional sehr berührt hat. Meine gute Freundin schrieb dort etwa "ich habe Angst um mein Land, bitte, Volker bete für Thailand!" Ich glaube diese Meinung teilen nicht wenige momentan in Thailand, deshalb auch meine Frage: Geht Thailand unter? Sicherlich werden mir jetzt einige widersprechen und sagen, du siehst alles viel zu schwarz und die Regierung hat schon alles im Griff! Aber, ich war und bin ein Mensch, der versucht Ereignisse nicht nur zu betrachten, sondern auch versucht, die Hintergründe von Ereignissen zu verstehen und auch für mich selbst nicht nur in einen historischen Gesamtzusammenhang zu sehen, sondern auch versucht Ereignisse zu bewerten und Schlussfolgerungen aus Geschehenem zu ziehen. Deshalb sei mir hier eine Analyse gestattet.
Alles begann am 19.09.2006 mit der Verjagung des ehemaligen thailändischen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Er wurde vom Militär weggeputscht, weil er in seiner Amtszeit maßlos geworden war und die Grenzen des Rechtsstaates bei vielen Gelegenheiten und in vielen Bereichen verletzt hatte. Leider kehrte jedoch danach die erhoffte Ruhe in Thailand bis heute nicht mehr ein, denn nun folgte ein neuer Ministerpräsident dem anderen. Der 33. Ministerpräsident war General Surayud Chulanont, ihm folgte als 34. Ministerpräsident Samak Sundaravej, der dann nach einem Urteil des Obersten Verfassungsgerichts wegen illegaler Nebeneinkünfte sein Amt verlor. Der 35. Ministerpräsident wurde Somchai Wongsawat, seine Amtszeit wurde ebenfalls durch das Oberste Verfassungsgericht beendet, als dieses seine Partei PPP als verfassungswidrig einstufte. Auch die Proteste der PAD mit den Flughafenbesetzungen durch die "Gelben" begünstigten mit Sicherheit seinen Sturz. Der 36. Ministerpräsident wurde der heute regierende Abhisit Vejjajiva, der mit Stimmen von Abtrünnigen der Puea Thai Partei, der Chart Thai Partei, der Thais United Development Partei (Ruam Jai Thai Chat Pattana), der Neutral Democratic Partei (Phak Matchima Thippathai), der Friends of Newin Group und der Demokratischen Partei an die Regierung kam.
Diese Wahl führte nunmehr bei den Anhängern der UDD, den sogenannten "Roten" zu einer zunehmenden Wut über das Zustandekommen der neuen Regierung, denn man war bei den "Roten" der Meinung, daß diese Regierung nicht vom Volk gewählt worden sei! Doch halt, dies ist doch nichts Neues in Thailand, denn wieviele Regierungen in Thailand seit dem Jahr 1932 sind denn nicht vom Volk gewählt worden, sondern von den Militärs eingesetzt worden? Aber hier ging es nicht um eine dem Volk nicht genehme Regierung, hier stand jemand im Hintergrund, der die Fäden zog und der jetzt ein böses Spiel mit den Gefühlen der Menschen begann.
Thaksin konnte und wollte sich nicht mit dem Gedanken abfinden, daß er politisch entmachtet worden war, zwar nicht legal, aber die Fakten sprachen für sich. Er agierte zunehmend vom Ausland aus im Hintergrund und stachelte mit Worten, aber auch mit massiven Geldspenden seine verbliebenen Anhänger, die sich in der UDD manifestierten, zum Widerstand gegen die Regierung Abhisit auf. Einen ersten Höhepunkt gab es bereits bei der 14. ASEAN-Konferenz im April des Jahres 2009.
Thaksin hatte per Videobotschaft zu einer "Volksrevolution" aufgerufen und Teile des Volkes versuchten in Bangkok und in Pattaya die Revolution. Thailand geriet in die Schlagzeilen, aus denen es auch nicht mehr herauskommen sollte. Der Aufstand war zwar nach wenigen Tagen beendet und die Anzahl der Toten und Verletzten blieb, zu dem was noch kommen sollte, gering, aber es kehrte nur eine trügerische Ruhe ein, denn unter der Oberfläche brodelte es weiter.
Thaksin stachelte weiter die Gefühle der Leute an, die ihn als ihren Helden betrachteten, da er sie zum ersten Mal in der Geschichte Thailands als Menschen wahrgenommen hatte. Er blieb ihr Held, auch wenn er versuchte, nur sein eigenes Süppchen zu kochen. Ihm ging es primär um die Rückkehr zur Macht, zur Rehabilitierung seiner Person und vielleicht auch um Rache an seinen Gegnern.

Das Jahr 2010 brachte dann die jetzt erfolgte große Eskalation, allerdings nahm die Entwicklung einen anderen Verlauf, als Thaksin es sich gewünscht hatte. Aufgestachelt durch ihn, vielleicht auch begünstigt durch Geldspenden von ihm, besetzen im April 2010 viele UDD-Anhänger Teile der Innenstadt Bangkoks und forderten die Regierung Abhisit auf, sofort zurückzutreten und Neuwahlen abzuhalten. Nun wäre dies sicherlich eine praktikable Möglichkeit gewesen, die Unruhen zu beenden, aber der Ministerpräsident wollte sich dem Druck der Strasse natürlich nicht beugen.
Sicherlich waren die Umstände der Wahl von Abhisit nicht gerade als glücklich zu bezeichnen. Sie waren jedoch nicht illegal, denn bei einem Patt in einem Parlament wird man immer versuchen, dieses Patt irgendwie aufzulösen. Dazu gehört leider auch das Abwerben von Überläufern, auch wenn es bei den Wählern einen schalen Beigeschmack hervorruft. Die Proteste wurden zunehmend radikaler, und nun begann wohl der Prozess, bei dem man vermuten darf, daß die Entwicklung Thaksin entglitt. Was als Rache des frustierten Politikers begann entwickelte sich jetzt zu einer Volksbewegung, denn nun hatten große Teile der UDD den "Geruch der Macht" gerochen. Man glaubte, dass man das Volk hinter sich hätte und die Regierung aus den Angeln heben könnte, aber weit gefehlt, denn auch in Thailand kommt im Problemfall die Macht immer noch aus den Gewehrläufen.
Die UDD hatte die Armee und die Polizei nicht hinter sich, denn diese gehören zur Elite der thailändischen Gesellschaft und die wählt nun einmal gelb! Der Aufstand lief immer mehr aus dem Ruder und die Führer der UDD, die vielleicht zu Beginn noch verhandlungsbereit waren, konnten jetzt ihre eigenen Anhänger nicht mehr kontrollieren. Die entfesselte falsche Euphorie bahnte sich ihren Weg und führte dann zu den schrecklichen Exzessen nach der Räumung der Ratchaprasong Intersection, das Volk tobte und der Mob regierte. Die Staatsorgane schlugen zurück und mussten dies auch tun. Denn hätte man die Strasse dem Mob überlassen, dann wären die gegenwärtigen Verwüstungen, die mich an Sarajevo erinnern, harmlos gewesen zu dem, was dann passiert wäre. Der Zeitpunkt einer Einigung der UDD mit der Regierung, die so kurz bevorstand, was schmählich verspielt worden. Man hatte seitens der UDD nicht erkannt, daß man nicht alles und sofort haben konnte und das Desaster nahm seinen Lauf.
Politkrawallmacher, auch bei uns unrühmlich bekannt von Häuserbesetzungen und von den Maikrawallen, mischten sich unter die normalen Protestierer. Sie versuchten die Provokation und die Revolution. Dies scheiterte jedoch einerseits an der mangelnden Waffenausstattung der UDD und der mangelnden Unterstützung von großen Teilen der Bevölkerung. Die Bangkoker waren es einfach satt, das tägliche Chaos in Bangkok weiter zu erleben und sympathisierten nicht mit der UDD. Sicherlich hatte die UDD nach der Ermordung von Seh Daeng einen Märtyrer, aber ein Märtyrer reicht nicht aus, um den Staat zu stürzen. Grosse Teile der Armee, der Polizei und der Bevölkerung standen nicht hinter der UDD und ihren Vorstellungen. Der Versuch, eine neue Regierung mit Gewalt zu erzwingen, war zum Scheitern verurteilt.
Bleibt zum Schluss die Frage: Welchen Weg geht Thailand? Die Probleme Thailands sind mit der Niederschlagung des Aufstandes nicht gelöst! Dies sei hier an dieser Stelle in aller Deutlichkeit gesagt, und ich will auch erläutern, warum.
Thailand hat, kurz gesagt, drei wesentliche Probleme, die es in Zukunft schnell, effektiv und für immer lösen muss. Gelingt dies nicht, dann wird das Land sehr schwierige Zeiten erleben, gegen die die abgelaufenen Unruhen ein harmloses Vorspiel waren.
Das erste Problem ist das nicht behobene und immer noch bestehende Ungleichgewicht zwischen den ländlichen und den städtischen Regionen. Insbesondere die Verhältnisse im Isaan, Teilen des Nordens und im tiefen Süden mit seiner muslimischen Mehrheit müssen ganz massiv und ganz schnell verbessert werden. Unruhen entstehen immer dort, wo es Armut gibt, und Armut muss jede thailändische Regierung beseitigen. Große Teile des thailändischen Bruttosozialproduktes müssen in Zukunft zur Verbesserung der Lebensverhältnisse in die angesprochenen Gebiete fliessen, dann sieht die dortige Bevölkerung eine echte Chance zum Verbleib unter menschenwürdigen Verhältnissen und mit gesicherten und guten Einkommen zu leben.
Die Anhänger der UDD sollten als respektierte und geachtete Mitglieder in ihrer Heimat ein gutes und gesichertes Leben führen können. Dies müssen alle thailändischen Regierungen realisieren oder es droht langfristig eine Abspaltung der dortigen Bewohner von Thailand, da sie sich von keiner Regierung vertreten und respektiert fühlen.
Das zweite Problem sind die unruhigen Provinzen im tiefen Süden von Thailand, überwiegend Muslime, die sich von der mehrheitlich buddhistischen Regierung vernachlässigt fühlen und die auch glauben, daß die Regierungen sie verächtlich behandeln. Gelingt es nicht, diese Thai muslimischen Glaubens dauerhaft an Thailand zu binden, dann wird das Land auch hier eine Separation erleben. Anzeichen sind da, terroristische Elemente überziehen das Land mit einem Terror ungeahnten Ausmasses. Der Terror im Süden Thailands ist nur deshalb nicht in den hiesigen Schlagzeilen, weil im Gegensatz zu Afghanistan und dem Irak, keine ausländischen Truppen im Land stehen und dort "nur" Thai täglich sterben und keine ausländischen Soldaten. Auch hier im Süden muss dringend die wirtschaftliche Situation, die Bildung, die Infrastruktur und vieles andere schnell und effektiv verbessert werden. Thailand läuft die Zeit davon, und die Zeit arbeitet für die Terroristen!
Das dritte Problem und dies hängt ursächlich mit den beiden anderen Problemen zusammen, ist die Bildung. Das thailändische Schulsystem muss ganz schnell so reformiert werden, daß Bildung in den Schulen bis zur Hochschulreife generell kostenlos ist! Bildung darf kein Privileg der Reichen mehr sein. Bildung sichert dem Land die Zukunft, und auch ein thailändischer Reisbauer muss seine Kinder bis zum Erwerb der Hochschulreife zur Schule schicken können, ohne befürchten zu müssen finanziell ruiniert zu sein. Die "Aristokratie" Thailands muss Nachwuchs von ganz unten bekommen. Diese jungen Thai müssen mit ganzem Herzen hinter ihrem Staat stehen. Dies können sie aber nur, wenn der Staat ihnen allen die gleichen Chancen bietet. Bildung darf in Thailand nie wieder ein Privileg der Reichen sein, Bildung muss für jedermann da sein.
Welche Gefahren drohen Thailand in der gegenwärtigen Situation? Thailand steht am Scheideweg, und ich sehe persönlich sehr große Gefahren für Thailands Zukunft. Die Probleme des Landes wurden von mir genannt, aber die drohenden Gefahren sind sehr viel näher. Teile der UDD werden wohl, dies steht zumindest zu befürchten, in den Untergrund abtauchen. Hier werden leider irgendwelche Leute damit beginnen, den Staat zu schädigen. Man fühlt sich von diesem Staat nicht repräsentiert. Die Regierung hat einen, vorgeblich, verraten, also bleibt nur noch der Weg der Gewalt. Es gibt leider sehr viele Wege das wunderschöne Land zu terrorisieren, und ich kann mir durchaus schreckliche Szenarien ausmalen, die auch in Thailand stattfinden können. Szenarien, die so grauenvoll sind, daß ich von einer Darstellung an dieser Stelle ausdrücklich und aus verständlichen Gründen Abstand nehme.
Aber Terroristen und Wirrköpfe denken leider nicht logisch. Viele Tote an vielen Orten steigern die Bekanntheit in den Medien. Man wird wohl versuchen, jetzt ganz gezielt Touristen zu treffen, denn Touristen sind ein leicht zu findendes Opfer, und viele tote Touristen zerstören das Bild jeder thailändischen Regierung, gleich welcher Coleur, nachhaltig. Touristen werden beginnen Thailand zu meiden, die Wirtschaft und mit ihr auch viele kleine Thai, die vom Tourismus leben, werden ungeheure Einbußen erleiden, wenn keine Touristen mehr kommen. Die Anschläge auf Touristen, die nach Abtauchen der UDD in den Untergrund wahrscheinlich kommen werden, schaden aber nicht nur den Touristen sondern letztlich auch ganz massiv dem Lande und der Bevölkerung selbst! Jeder durch Anschläge auf Touristen verlorene Baht kann eben nicht mehr zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Armen eingesetzt werden, ganz einfach, weil er nicht da ist!
Die thailändische Regierung unter Ministerpräsident Abhisit muss unbedingt versuchen, einen Ausgleich mit der UDD zu erreichen. Da dürfen dann keine drakonischen Strafen gegen UDD-Führer verhängt werden oder gar noch Todesurteile wegen Terrorismus ausgesprochen werden. Es muss unbedingt verhindert werden, daß frustrierte und enttäuschte UDD-Leute aus Wut über falsche Regierungsentscheidungen in den Untergrund gehen und dort gegen die thailändische Regierung kämpfen.
Dieser Weg ist falsch und wird mit Sicherheit den Untergang von Thailand in der gegenwärtigen Form einleiten! Geht Thailand diesen Weg, dann wird Thailand zwar als Staat sicherlich bestehen bleiben, aber es wird nicht mehr das Thailand sein, das wir heute alle so schätzen und lieben. Thailand wird dann ein anderes Gesicht haben und dieses Gesicht wird kein schönes Gesicht mehr sein. Das "Land des Lächelns" wird verschwunden sein und wird auch nie wieder zurückkehren. Ich hoffe, daß die thailändische Regierung die Zeichen der Zeit erkennt und auch sieht, dass sie sich jetzt im Auge eines Hurrikans befindet. Der Hurrikan kann sich abschwächen. Es kann aber alles noch viel schlimmer kommen! Dr. Volker Wangemann