Norden und Nordosten:
Dürre, Wassermangel, brennende Felder
Es gab auch ein Alltagsleben in Thailand abseits der Barrikaden in Bangkok. Unser Autor Winfried Sibert war wieder einmal auf Achse fern der Hauptstadt.
Die nördlichen und östlichen Provinzen werden seit vielen Wochen von Rauchschwaden eingehüllt. In Mae Hong Song ist es am schlimmsten. Gemessen werden Feinstaubanteile, die bei einer Größe unter 10 Mikrometer über die Atemwege in die Lunge eintreten können. Der thailändische Grenzwert für diese Partikel liegt bei 120 Staubteilchen pro Kubikmeter Luft (zum Vergleich: in Europa 50 Staubteilchen pro Kubikmeter Luft). In Mae Hong Song stieg dieser Wert Mitte März auf 244 und jetzt auf 437,8. Das ist das 3,6-fache des Grenzwertes. Der Spitzenwert in Lamphun wurde am 17. März mit 350,3 erreicht, in Chiang Rai wurden 328 gemessen, in Chiang Mai 279,9 und in Phayao 271.
Ärzte raten, das Haus nur mit Atemschutzmaske zu verlassen und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Chef des Umweltamtes von Mae Hong Song, Pranin Wattanawaree, sagte, solch hohe Werte seien noch nie zuvor gemessen worden. Die Lage laufe aus dem Ruder. Der Hauptgrund für diese extreme Luftverschmutzung sei das Abbrennen von Feldern und Wäldern, nicht nur in Thailand, sondern auch in Laos und Burma, führte er weiter aus.
Mein kurzer Trip quer durch den Isaan bestätigt leider die gemachten Angaben. Von Ubon Ratchathani über die Strasse 212 nach Amnat Charoen, weiter auf der 212. Dort war ich wohl etwas zu schnell unterwegs und wurde geblitzt, 110 statt erlaubter 90 kmh. Nun sollte ich 200 Baht bezahlen, was ich aber nur machen wollte, wenn sich die Beamten für eine Fotosession für den FARANG zur Verfügung stellen. Der, der das Geld bekam, salutierte dann an meinem Auto, und die anderen lachen, wie man sieht, recht freundlich in die Kamera. War ein netter Zwischenstopp, nun weiter auf der 212 zur Grenzstadt nach Laos, namens Mukdahan, und weiter auf der Strasse 223 nach Sakon Nakhon.
Immer wieder hielt ich an und machte von den Brandherden und von der von Wassermangel und Dürre geplagten Landschaft Fotos. Man glaubt es nicht, wenn man es nicht gesehen hat. 45 Grad im Schatten und dann dieser Qualm... Meine Lunge hat bei jedem Stopp gejubelt. Von Sakon Nakhon auf der 22 bis Sawang Daen Din, einem kleinen Städtchen mitten im Isaan. Dort angekommen erstmal eine Bleibe mit Aircondition gesucht. Ein kleiner Bungalow für 350 Baht war schnell gefunden. Der Grund, warum ich dorthin gefahren bin, na ja, mein Freund Michael aus Dresden hat mich gebeten ihm behilflich zu sein. Ich wurde verwöhnt, es fehlte an nichts, und Nam hat eine Freundin aus alten Tagen mitgebracht, die mich sogleich drei(!) Stunden massiert hat... Mann, war das gut nach sechs Stunden Autofahrt.
Er und seine Nam wollen die Tochter im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland holen, und wie das so ist, es ging um diverse Papiere, die zu beschaffen waren. Seine Nam war dann auch ganz happy mich an ihrer Seite zu haben. Beide haben eine Menge Zeit und Geld gespart. Der Beginn des Songkranfestes stand bevor, und in Sawang Daen Din wurde ich Zeuge, wie das sauberste Café mit einem Preis geehrt wurde, vielmehr dessen Betreiber.
Nach zwei Tagen machte ich mich auf den Rückweg, Richtung Ubon Ratchathani. Diesmal die kleine Nebenstrasse 227 bis Kalasin, auf der 214 bis Roi Et und von dort die 23 über Yasothon bis Ubon Ratchathani zu Schwiegermuttern. Dort trafen alle Vorbereitungen für das Wasserfest, doch ich musste am nächsten Tag zurück nach Pattaya, hatte Martin versprochen Papiere abzuholen. Es ist ganz schön schwer, den Thais so etwas zu vermitteln, wo doch ihr Neujahrsfest mit allen Familienangehörigen gefeiert wird. Das merkte ich auf der Rückfahrt. Mir entgegen kam eine nicht enden wollende Autoschlange mit waghalsigen Überhohlmanövern. Ich musste manchmal richtig heftig in die Bremse. Und den Busfahrern hier muss ich leider sagen: "haben se nicht mehr alle...?"
Anzumerken ist, dass es etliche Polizeikontrollen gab, bzw. Straßensperren mit viel Militär. Fünf Mal durfte ich mein Auto ausräumen. Ich war alleine zurück, denn die Kinder sollten mit der Familie ihren Spaß haben. Bin aber wohlbehalten in Pattaya angekommen und hörte, dass in Bangkok die Luft brennt. Da wusste ich, warum ich im Isaan plötzlich keinen Internetzugang mehr hatte und das Handy nicht funktionierte. Thailand ist derzeit wirklich spannend. Winfried Sibert



Kleine Ehrung in Sawang Daen Din: Diese Leute betreiben das sauberste Café in der Gegend.
Foto unten: ein schlichtes Haus der Bauern im Isaan.




